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>>> ZACK - im November 2005

 

 

2002 bist du auf dem Comic-Salon in Erlangen zum besten deutschen Zeichner gek├╝rt worden. Eigentlich h├Ąttest du auch den Preis als bester deutscher Szenarist verdient, denn die Texte spielen in deinen Geschichten eine wesentliche Rolle. Was sagt der Texter Peter Puck dazu?

 

Der Texter sagt dazu: Die Kategorie hei├čt: "Bester deutschsprachiger Comic-K├╝nstler" und darunter habe ich eigentlich immer Text und Zeichnung verstanden ... insofern f├╝hle ich mich damit ausgezeichnet .... und das Preisgeld habe ich mir auch partnerschaftlich geteilt.

 

Dein letztes RUDI-Album ist 2001 erschienen. Warum diese lange Pause?

 

Die Formel lautet: 48x1:12=4 ... Ich mache 1 Seite im Monat, ein Album hat 48 Seiten = 48 Monate, durch 12 gibt 4 Jahre .... Die Rudialben sind schon immer so etwa im 3-4 Jahresrythmus erschienen. Ich h├Ątte eben auch den Max und Moritz-Preis in der Kategorie "langsamster deutschsprachiger Comic-K├╝nstler" verdient!

 

Wie ging der Wechsel vom Heinzelm├Ąnnchen Verlag zur Ehapa Comic Collection vonstatten?

 

Ziemlich unspektakul├Ąr. Die Ehapa-Leute fanden Rudi schon immer gut, haben aber nie Abwerbungsversuche unternommen. Und mir war eigentlich schon immer klar, falls ich mal von Heinzelm├Ąnnchen weg gehe, kommt nur ein grosser Verlag in Frage, am liebsten Ehapa, weil ich da die Leute schon lange kannte. Nicht nur die vertragliche und kohletechnische, sondern auch die zwischenmenschliche Seite ist da sehr wichtig, man arbeitet ja nicht mit dem Verlag zusammen, sondern mit den Menschen im Verlag! Das hat ├╝brigens auch bei Heinzelm├Ąnnchen immer sehr gut geklappt. Trotzdem habe ich letztesmal in Erlangen mit vielen Verlagen geredet und Rudi angeboten, die meisten waren sehr interessiert, was mich gefreut hat. Die kleineren mussten aber schon wegen den Kosten f├╝r die Koloration passen. Aus verschiedenen Gr├╝nden habe ich mich dann f├╝r Ehapa entschieden... und sie f├╝r mich.

Und dass Rudi ab sofort in Farbe erscheint, daran seid ihr schuld! ZACK wollte Rudi in Farbe haben, weil das ganze Heft farbig ist. Darauf hat Horst Berner, der die Serie von Anfang an betreut, Andr├ę Kurzawe aus Berlin als Kolorist aufgerissen, was wahrscheinlich das beste war, was er je f├╝r Rudi getan hat und das ist nicht wenig ... Andr├ęs Farben tun den Rudi-Seiten sehr gut, weil sie ├╝bersichtlicher und lesbarer wirken. Obwohl es immer problematisch ist, wenn Zeichnungen, die eigentlich zur Ver├Âffentlichung in s/w angelegt sind, nachtr├Ąglich koloriert werden!

Im ├╝brigen war schon l├Ąnger klar: Wenn wir mal aus der ewigen Geheimtippecke raus wollen und an ein breiteres Publikum ran, kommen wir um Farbe nicht rum. Herr Kurzawe ist ein kongenialer Kolorist, und wir schlagen uns manchmal die Sch├Ądel dar├╝ber ein, ob da ein Schatten hin soll oder nicht...

 

RUDI feiert in diesem Jahr sein 20-j├Ąhriges Jubil├Ąum. Was denkst du, wenn du dir heute deine ersten Seiten nochmals anschaust?

 

Ich schau sie mir nicht an, weil ich ungern schlecht gezeichnete Comics lese! ... Auch solche Geschichten w├╝rde ich heute nicht mehr machen. Und ich denke: Wie konntest du damals nur glauben, da├č das gut gezeichnet ist? Und: Wie hast du das geschafft mit so wenig Text auszukommen? ... Ich war so Mitte/Ende Zwanzig, ... wenn heute ein 25-j├Ąhriger Zeichner mit sowas daherk├Ąme, h├Ątte er/sie wohl kaum eine Chance.

Andererseits bin ich stolz auf die qualitative Entwicklung seither und darauf, da├č die alten Sachen trotzdem heute noch gern gelesen werden!

 

Erz├Ąhl doch mal kurz, wie 1994 das ├╝berformatige Album RUDI IST RIESIG entstanden ist. War das zu Erlangen?

 

Das ist aus Genervtheit entstanden. Ich war es leid mir ewig das Gen├Âhle und Gequengel ├╝ber die viel zu klein geletterten und schwer lesbaren Texte anzuh├Âren. Vor allem wu├čte ich, da├č die N├Âhler und Quengler auch noch recht hatten! Ich arbeite im Original sehr gro├čformatig, da kann man die Texte ganz gut lesen, das Problem entsteht durch die starke Verkleinerung. So kam es zur Idee, Rudi einmal in Originalgr├Â├če rauszubringen, die obere und untere Seitenh├Ąlfte jeweils auf A3 quer. Das Buch war sehr teuer in der Herstellung, wir mu├čten sogar ins Ausland gehen um einen Buchbinder zu finden, der A3 quer ├╝berhaupt binden konnte! Und ich habe 198 St├╝ck individuell und aufwendig signiert! Was ich nie wieder machen werde!! Aber die Reaktionen waren sehr positiv und die 198 Exemplare waren erstaunlich schnell verkauft. Antiquarisch sind die heute schon das doppelte wert.

 

Zeichnest du noch f├╝r die Werbung? Und wie kam es dazu, dass du im April 2003 als "Fotomodell" bei einer Werbekampagne f├╝r Nil-Zigaretten z.B. auch in DER SPIEGEL abgebildet warst?

 

Mit Auftragsarbeiten f├╝r Werbung, interne Firmenkommunikation, Illustration usw. verdiene ich eigentlich mein Geld. 2 Wochen im Monat Rudi, 2 Wochen "Werbung" ...

NIL hat eines Tages angerufen und gefragt, ob ich bereit w├Ąre bei ihrer Werbung mitzumachen. Weil ich die damalige Kampagne sehr cool fand, war ich ziemlich stolz als no-name neben Leuten wie Otto Sander, Ben Becker, Natalia W├Ârner, Ulrich Tukur usw. "modeln" zu d├╝rfen!

 

Abschlie├čende Standardfrage: Hast du schon eine Ahnung, wohin sich das Universum um RUDI und seine Nebenfiguren weiterentwickeln wird? Oder hat RUDI eine solche Eigendynamik, dass du selbst noch gar nicht wei├čt, in welche Richtung die Serie laufen wird?

 

Letzteres! Rudi und seine Welt entwickeln sich komplett eigendynamisch, es gibt keinerlei Zukunftsplanung. Die Geschichten entstehen aber immer als R├╝ckkopplung aus meinem Leben, aus dem was mich gerade besch├Ąftigt, was ich gerade erlebe bzw. nicht erlebe...

 

Habe ich noch was vergessen zu fragen? Jetzt ist die Gelegenheit, das zu sagen, was du immer schon mal loswerden wolltest!

 

Habt ihr noch so etwa 200 ÔÇô300 Seiten frei?

Nein? ... Schade! ... Na gut, dann nur das:

Ein kleiner Trost f├╝r alle, die ├╝ber die Textmengen in Rudi st├Âhnen: Es ist weitaus anstrengender die zu schreiben und zu lettern, als sie zu lesen!

 

Ich leide also mit Euch!